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Aufsatz (Zeitschrift) zugänglich unter
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Originaltitel: Sind "verhaltensgestörte" Migrantenkinder "widerspenstiger" Eltern therapierbar? Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen systemorientierter Schulpsychologie und psychoanalytisch orientierter Therapie
Paralleltitel: Is it Possible to do Therapy with „Behaviourally Disturbed" Migrant Children of'„Stubborn" Parents?
Autoren: ;
Originalveröffentlichung: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 44 (1995) 7, S. 260-270
Dokument:
Schlagwörter (Deutsch): Aggression; Gewalt; Psychoanalyse; Schulpsychologie; Systemtherapie; Kind; Psychotherapie; Ausländer
Pädagogische Teildisziplin: Pädagogische Psychologie
Dokumentart: Aufsatz (Zeitschrift)
ISSN: 0032-7034
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr:
Begutachtungsstatus: Peer-Review
Abstract (Deutsch): Die Falldarstellung beschreibt die Zusammenarbeit zwischen Fachleuten unterschiedlicher beruflicher Verankerung und theoretischer Provenienz. Ein systemorientierter Schulpsychologe nimmt den „Fall" eines massiv verhaltensauffalligen, gewalttätigen und marginalisierten Mädchens italienischer Arbeitsmigranten der Unterschicht entgegen, bereitet den Weg zur Psychotherapie vor und übergibt die Behandlung einer Psychoanalytikerin. Die Rolle des Schulpsychologen besteht im vorliegenden Fall darin, eine entgleitende Krisensituation aufzunehmen und die Probleme zusammen mit allen Beteiligten neu zu definieren. Durch die Ausweitung des Blickes auf den Kontext Schule-Familie-Einwanderergesellschaft werden Widersprüche und Brüche evident. Der Kulturschock der ersten Migrationsphase wurde von den Eltern in der problembelasteten Konfrontation mit den Schweizer Institutionen reinszeniert. Im Unterschied zu früher involvierten psychosozialen Institutionen faßt der Schulpsychologe Widerstände als logisch-kongruent auf und versucht, Brücken zu schlagen und Wandel zu aktivieren. Die Transformation rigider Wirklichkeitskonstrukte wird begünstigt und eine Psychotherapie vermittelt, erklärt und im Prozeß begleitet. Die Rolle der Psychoanalytikerin besteht darin, die Beziehung mit dem Mädchen aufzunehmen und ein tragfähiges Arbeitsbündnis mit den Eltern herzustellen. Sie muß die inneren und unbewußten Konflikte des Mädchens erkennen, die im therapeutischen Prozeß in der Übertragung und Gegenübertragung aktualisiert werden. Nach einer einfühlsamen Deutungsarbeit bietet sie neue Formen der Konfliktbewaltigung an, welche die äußere Realität des Mädchens (Familie, Schule, Migrantensituation, kulturelle Realität) berücksichtigen. Die gleichzeitige, intensive Begleitung der Eltern erweitert deren erzieherische Kompetenz. Sie ermöglicht es ihnen, das Mädchen in ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen. Im vorliegenden Fall ist die neurotische Entwicklungsstörung eng mit der Migrationsproblematik verknüpft.(DIPF/Orig.)
Abstract (Englisch): This case presentation describes the Cooperation between experts of different basic training and theoretical provenance A System oriented school psychologist takes on the 'case' of a massively behaviourally abnormal, aggressive, and marginalized girl of working migrants from the lower Stratum, prepares the way for psychotherapy and transfers the treatment to a psychoanalyst In this case the role of the school psychologist consists of receiving a crisis Situation which is slipping out of hand and redefining the problems with all parties involved By expanding the perspective to the context of school family Immigration society contradictions and breaks become evident The culture shock of the first migration phase was reinacted by the parents in the difficult confrontation with the Swiss institutions In contrast to psychosocial institutions previously involved the school psychologist sees the contradictions as being logical-congruent and tries to build bridges and activate change The transformation of rigid realty constructs is furthered and psychotherapeutic treatment is mediated, explained and accompanied during the process The role of the psychoanalyst consists of taking up the relationship to the girl and establishing a serviceable working relationship with the parents She has to recognize the girl's inner and unconscious conflicts which are catechized in transference and countertransference in the therapeutic process After empathetic interpretative work she offers new forms of dealing with conflicts which take the girl's outer reality (family, school, migrant situation, cultural reality) into consideration Accompanying the parents intensively at the same time broadens their competence in raising their daughter In this case the neurotic developmental disorder is strongly connected with the migration problem. (DIPF/Orig.)
weitere Beiträge dieser Zeitschrift: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie Jahr: 1995
Statistik: Anzahl der Zugriffe auf dieses Dokument
Prüfsummen: Prüfsummenvergleich als Unversehrtheitsnachweis
Eintrag erfolgte am: 12.04.2010
Empfohlene Zitierung: Lanfranchi, Andrea; Molinari, Daniela: Sind "verhaltensgestörte" Migrantenkinder "widerspenstiger" Eltern therapierbar? Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen systemorientierter Schulpsychologie und psychoanalytisch orientierter Therapie - In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 44 (1995) 7, S. 260-270 - URN: urn:nbn:de:0111-opus-8822